Institut für Brasilienkunde

Erzbischof Zollitsch zum Abschluss des CELAM-Kongresses in Aparecida 

„Vom Glaubenszeugnis der Kirche Lateinamerikas lernen“ 

Während seiner Brasilien-Reise hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, heute an die Solidarität zwischen der Kirche in Deutschland und der Kirche in Lateinamerika erinnert.

Die bischöfliche Aktion Adveniat, die an diesem ersten Adventswochenende ihre Auftaktveranstaltung begeht, sei Ausdruck dieser Solidarität: „Die Kirche und die Menschen in Lateinamerika gehen uns sehr viel an, im Kontext der Globalisierung mehr denn je. Die weltkirchliche Verbundenheit ist keine Einbahnstraße. So ist Adveniat als unser Lateinamerika-Hilfswerk eine Brücke zwischen den Kontinenten, über die ein lebendiger Austausch geschieht.“ Erzbischof Zollitsch sprach zum Abschluss des Kongresses des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM. Dieser hatte anlässlich des 50 jährigen Bestehens von Adveniat zu einer Debatte über das Abschlussdokument der CELAM-Generalversammlung aus dem Jahre 2007 eingeladen. In Lateinamerika und Deutschland gäbe es kirchliche und gesellschaftliche Transformationsprozesse, die zu neuen Herausforderungen in der Pastoral führten: „In Lateinamerika stellen wir allgemein einen Aufbruch der Kirche fest, sich stärker vor Ort zu verankern. Dabei helfen kleinere Organisationsformen der Kirche, näher bei den Menschen zu sein. In Deutschland versuchen wir, über die Ortsgemeinde hinaus in größeren Räumen zu denken und dabei die Gemeinde vor Ort durch weitere Entwicklung des Ehrenamtes zu stärken“, so Zollitsch. 

In Deutschland könne die Kirche viel vom Glaubenszeugnis der Kirche Lateinamerikas lernen, erklärte Zollitsch weiter. Dazu zählten auch jene Persönlichkeiten, die für ihren Glauben gestorben seien. „Wir können auch von der Vitalität im Glaubensleben lernen, die die Kirche in Lateinamerika so dynamisch macht; wir können lernen von der frohen Glaubensfeier und dem Reichtum in der Volksreligiosität.“ Erzbischof Zollitsch forderte eine lebendige Umsetzung der Vater-unser-Bitte, die dem Namen Adveniat zugrunde liegt: „Dein Reich komme“. Für die Menschen auf der ganzen Welt bedeute das Kommen des Reiches „Gottes Freiheit und Liebe statt Unfreiheit und Hass, Wahrheit und Freude statt Lüge und Trauer, Frieden und Gerechtigkeit statt Gewalt und Ungerechtigkeit. Viele Menschen in Lateinamerika erleben diesen Unfrieden Tag für Tag am eigenen Leib. Uns allen geht es um ein Leben in Würde und Gerechtigkeit, um eine andere, zutiefst menschliche Welt.“ 

Gestern hatte Erzbischof Zollitsch eine Fazenda für Frauen und Männer besucht, die von den Sießener Franziskanerinnen geleitet wird. Ehemals Drogenabhängige, Prostituierte und HIV Infizierte werden hier durch den Einsatz der Ordensschwestern in die Gesellschaft reintegriert. „An solchen Orten ist etwas vom Wirken Gottes zu spüren und von einer konkreten Umsetzung der Option für die Armen. Solidarität ist hier keine Theorie, sondern lebendige Praxis. Durch ein Glaubenszeugnis wird Menschen in ihrer schwersten Not selbstlos geholfen. Das erlebe ich als vollendete Nächstenliebe“, so Zollitsch. 

Am 1.Adventssontag feiert Erzbischof Zollitsch zusammen mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen) und Weihbischof Manfred Melzer (Köln) sowie dem Erzbischof von São Paulo, Kardinal Odilo Scherer, den Eröffnungsgottesdienst für die diesjährige Adveniat Aktion in einer Favela von São Paulo. Am Montag reist Erzbischof Zollitsch von Brasilien nach Peru. Die ersten Stationen sind dort Lima und Trujillo. 

dbk/26.11.2011: